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Michael Buchrainer

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"Eine Gitarre hat viele Leben".

Michael Buchrainers Gitarrenkonzert wird bei der "LiGiTa" uraufgeführt.

 

Seit zehn Jahren sind die Liechtensteiner Gitarrentage für zahlreiche Gitarristen aus dem In- und dem Ausland ein Begriff. Während einer Woche werden von namhaften Musikern Meisterkurse angeboten, jeweils am Abend finden Konzerte aus unterschiedlichen Stilrichtungen der Gitarrenliteratur, von der Klassik bis zum Flamenco, statt. Anlässlich des Zehn-Jahr-Jubiläums wurde an Michael Buchrainer ein Kompositionsauftrag vergeben. Der Professor am Landeskonservatorium komponierte ein Konzert für Gitarre und Orchester, das vom Symphonischen Orchester Liechtenstein und dem Solisten Leon Koudelak uraufgeführt wird.

Um Kontakte zu Gitarristenkollegen und Musikern intensiver pflegen zu können, konstituierten Leon Koudelak, Elmar Gangl, Kurt Gstöhl und Michael Buchrainer vor nunmehr zehn Jahren den Verein "Gitarrenzirkel", der als Trägerverein die Liechtensteiner Gitarrentrage organisiert.

... renommierte Gitarristen als Dozenten ...

Die künstlerischen Leiter Leon Koudelak und Michael Buchrainer engagierten in den vergangenen Jahren zahlreiche international bekannte Gitarristen für die "LiGiTa". Schon seit einigen Jahren unterrichtet beispielsweise der in Spanien lebende David Russel, ebenso eng verbunden mit dem Festival ist Alvaro Pierri, der aus Uruguay stammt und an der Musikuniversität Wien unterrichtet, sowie der Komponist und Gitarrist Carlo Domeniconi. "Wir haben bereits einen Stamm von Dozenten, die aber auch noch nicht so fortgeschrittene MusikerInnen unterrichten", erklärt Michael Buchrainer, "das Programmangebot wird jedes Jahr mit anderen Schwerpunkten versehen." Etwa vierzig bis sechzig GitarristInnen und einige Hospitanten nutzen das Angebot der Meisterkurse in Eschen. Zum Zehnjahresjubiläum wurde an Michael Buchrainer ein Kompositionsauftrag vergeben und erstmals leistet man sich ein Orchester, um der Gitarre Tribut zu zollen und bekannte Werke von Rodrigo (Aranjuez) und Villa Lobos (Concerto) zur Aufführung zu bringen.

... Gitarristen komponieren für Gitarre ...

Das Komponieren für Gitarre und Orchester ist für viele Komponisten eine heikle Aufgabe, da sich die Klangeigenschaften der Gitarre nicht gut in einen Orchesterapparat einfügen. Deshalb verwundert es auch nicht, dass hauptsächlich Gitarristen für dieses Instrument komponieren und die Welt der Gitarrenliteratur in sich abgeschlossen erscheint. "Die Integration mit dem Orchester ist schwer, weil entweder die Gitarre sehr laut spielen muss oder das Orchester sehr leise", erklärt Michael Buchrainer, "außerdem muss der musikalische Satz dünn instrumentiert sein. So entsteht ein eher dialogisches Prinzip."

... Zusammenführen von Tradition und Moderne ...

Auf das Idiom der Gitarre hat er in seinem neuesten Werk "Evasión" besondere Rücksicht genommen, moderne Elemente der Tonsprache setzt er im Orchester ein. "Ich wollte das gitarristische Idiom nicht aufgeben, aber in einem Umfeld einsetzen, das über traditionelle Gegebenheiten hinaus führt. Deshalb nenne ich das Stück "Evasión", das ist ein Herausführen des Gitarristen aus seinem 'Harmoniebedürfnis' und das Zusammenführen mit der Moderne. Es ist ein gewisses Aufeinander-zu-Gehen aus Extrempositionen. Ich habe die modernen Stilmittel der Musik vielfach auf das Orchester verlagert. Dieses verfremdet und kontrastiert Harmonien und Klänge des Gitarristen."

... keine abstrakten Strukturen ...

Im Gespräch bemerkt der Komponist, dass seine kompositorischen Mittel im Vergleich zu früheren Werken pragmatischer geworden sind. Seine Antwort spiegelt Wahrnehmungen wider, die mehrere Komponisten im Laufe ihrer künstlerischen Laufbahn machen. "Man hat mehr Erfahrung und dieses und jenes hat bei Aufführungen Schwierigkeiten gemacht. Dann fragt man sich, ob sich diese für gewisse Klangeffekte überhaupt auszahlen." Michael Buchrainer beschreibt seine Werke selbst als 'kompositorische Geschichten'. "In meinen Stücken erzähle ich Geschichten, sonst ist es nur eine Konstruktion von abstrakten Strukturen. Ich brauche eine Vision, auch wenn es nur Stimmungsabfolgen sind, die ich mir ganz konkret vorstelle."

... ein Zwitterinstrument ...

Die Gitarrenliteratur nimmt innerhalb der zeitgenössischen Musik einen Sonderstatus ein, denn an experimentellen Klangereignissen scheinen die meisten Komponisten für Gitarre kein Interesse zu haben. Vielmehr spiegeln sich folkloristische und impressionistische Charakteristika in vielen Werken. "Die Gitarre war immer schon ein Zwitterinstrument, seit dem Mittelalter war sie gleichzeitig ein Kunst- und ein 'Schrubbinstrument'. Heute ist diese Diskrepanz noch größer, denn die E-Gitarre bringt einen zusätzlichen Aspekt mit ein", meint Michael Buchrainer.

Konkrete Pläne für zukünftige Kompositionen verfolgt Michael Buchrainer momentan nicht, aber der nächste Auftrag kommt bestimmt, zeigt er sich überzeugt. "Ensembles gibt es genug, die etwas spielen möchten von mir." Im Gespräch ist die österreichische Erstaufführung des Konzertes für Gitarre und Orchester "Evasión" mit dem Symphonieorchester Vorarlberg.

Silvia Thurner

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